wir lebens Bunt

SOUNDTRACK DES TAGES – Juice meets Konfetti

Was ist „Juice“?

Juice ist ein Song von Lizzo – und unser Song des Tages,
eigens performed in einer jazzigen Version des ConfettiRain Projects.

Lizzos Juice heißt: Ich bin gut, so wie ich bin. Und ich habe einen Platz.
„Juice“ meint: Selbstwert. Kraft. Ausstrahlung.

Und genau das gehört allen – auch und gerade Menschen mit Unterstützungsbedarf.

Denn Inklusion bedeutet nicht, sich anzupassen.
Sondern die Welt so zu gestalten, dass jede*r selbstverständlich dabei ist.

Am Protesttag zeigen wir genau das:
gemeinsam laut, gemeinsam stark, gemeinsam sichtbar.

Und wenn du es fühlst, dann zeig es:

ya-ya-he! ✨
(und nochmal:) ya-ya-he! 💛

Bring deinen „Juice“ mit!

#Protesttag #Inklusion #Unbezahlbar #KonfettiPaletti

ConfettiRain Project

Mehr Farbe. Mehr Vielfalt. Mehr Gleichstellung. ✨

Genau darum geht’s bei Konfetti Paletti.
Und genau deshalb war klar: Zu dieser Idee braucht es auch einen Sound, der das spürbar macht.

ConfettiRain Project hat nicht lange gezögert – und einfach losgelegt.
Was daraus entstanden ist? Eine besondere Zusammenarbeit über Distanzen hinweg. Schritt für Schritt, Spur für Spur, ist dieser Track gewachsen.

Mit dabei:
🥁 Eric Schmidt an Drums & Percussion
🎹 Andi Kuch an Bass & Keys
🎸 Theo Reimann an Gitarre, Schnitt & Soundedit

Viele Einflüsse. Viele Ideen. Viele Menschen.

So wie bei einem Konfettiregen:
Jedes Teil für sich ist klein –
aber zusammen entsteht etwas Großes, Buntes, Lebendiges.

Ein Sound, der zeigt, worum es uns geht:
Miteinander. Vielfalt. Freude.

Oder anders gesagt:
Konfetti Paletti. 💛

SOUNDTRACK DES TAGES – Juice meets Konfetti

Am 16.10. überreichten Katja Heinrich, Andreas Kotter und Peer Lück den Paritätischen Ehrenamtspreis 2023 an Jürgen Borchert im Lebensart am Palais. Der Preisträger ist in vielen Tätigkeiten und Funktionen im Dienste der Inklusion engagiert. Uns im LHW ist Jürgen Borchert in erster Linie als Mitgründer und Aufsichtsratsmitglied und durch seine eindringlichen Projekte zur Erinnerungskultur ganz eng verbunden und hoch geschätzt. Wir gratulieren von ganzem Herzen zu dieser hochverdienten Auszeichnung! Und wir schließen uns voll umfänglich der Laudatio von Katja Heinrich, Geschäftsführerin unseres Lebenshilfe-Landesverbandes an, die wir hier veröffentlichen dürfen:

“Lieber Herr Borchert,
liebe Frau Borchert und liebe Constanze,
liebe Rola, liebe Frau Hagen,
lieber Andreas Kotter, lieber Herr Lück,
liebe Gäste,
ich darf Sie heute hier alle recht herzlich willkommen heißen und dies tue ich heute in doppelter Funktion, als Mitglied das Landesvorstand des Paritätischen Thüringen und als Geschäftsführerin der Lebenshilfe Thüringen. Schön, dass Sie alle gekommen sind.
Ehrenamtlich Engagierte sind Vorbilder und sie sind Mutmacher, so Frank-Walther Steinmeier, bei seiner Eröffnungsrede zum Bürgerfest vor wenigen Wochen im Schloss Bellevue. Und ich finde, er hat recht… Ehrenamtlich Tätige sind ganz oft Menschen, die wichtige Themen ansprechen, nachfragen und zurecht Antworten einfordern, Menschen, die anderen zuhören, Probleme aufgreifen und sich um deren Lösung bemühen, Menschen, die andere Menschen zusammenführen, Austausch und Begegnungen ermöglichen. So ein Mensch sind Sie, lieber Jürgen Borchert.
Wir wollen Sie heute für Ihr ehrenamtliches Engagement auszeichnen und Ihre Arbeit mit dem Paritätischen Ehrenamtspreis würdigen. Sie sind Vater einer Tochter mit geistiger Behinderung und engagieren sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Interessen von Menschen mit Behinderungen und deren Eltern und Angehörige. Nach der Wende waren Sie an der Gründung des Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e.V. beteiligt, welcher sich aus drei von engagierten Eltern gegründeten Lebenshilfe-Vereinen entwickelte. Sie leisteten in dieser Zeit, in der die Unsicherheit über den Wegfall staatlicher Fürsorge der DDR auf der einen und dem Bedürfnis nach Neuorientierung auf der anderen Seite, wertvolle Pionierarbeit. Gemeinsam mit anderen Engagierten hatten Sie den Willen und den Mut an der Entwicklung neuer Strukturen mitzuwirken und verloren dabei nie die Interessen von Menschen mit Behinderungen, Eltern und Angehörigen aus dem Blick. Ihr besonderes Engagement galt dabei dem Bemühen, die Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen von Menschen mit geistiger Behinderung und ihrer Familien ernst zu nehmen und immer wieder beharrlich mit den Akteuren und Verantwortlichen vor Ort, aber auch auf Ebene des Landes, abzustimmen und um die Schaffung neuer, gelingender Angebote zu ringen.
Sie waren über 30 Jahre Vorsitzender des Lebenshilfe Ortsvereinigung Weimar e. V. und haben in dieser Funktion einen Elternverein in der Region geführt und Verantwortung übernommen, unzählige Gespräche geführt, Eltern vor Ort wertvolle Tipps und Hinweise gegeben, sei es bei Fragen des Kindergeldes oder bei der Beantragung von Leistungen oder beim Austausch im Elterncafé. Seit 2022 sind Sie stellvertretender Vorsitzender und unterstützen weiterhin die Arbeit des Elternvereins.
Doch damit noch lange nicht genug. Sie, lieber Herr Borchert, engagieren sich nicht nur regional, sondern auch auf Landes- und Bundesebene. So sind Sie seit vielen Jahren Sprecher des Eltern- und Angehörigen-Rates der Lebenshilfe Thüringen und Mitglied im Rat der Eltern und Angehörigen der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Die Arbeit im Eltern- und Angehörigenrat der Lebenshilfe Thüringen ist für Sie eine Herzensangelegenheit, Ihr besonderes Engagement richtet sich darauf, neue Mitglieder für die Arbeit in diesem Gremium zu gewinnen und Eltern in ihrer Rolle zu stärken. Dabei richten Sie Ihr Augenmerk insbesondere immer wieder auf Eltern von Menschen mit schweren mehrfachen Behinderungen. Hier nehmen Eltern oftmals eine besondere Rolle auch als Sprachrohr ihrer Kinder ein, die oft nicht lautsprachlich kommunizieren können und in verschiedenen Situationen nicht gehört oder auch vergessen werden. Erinnern und danken möchte ich Ihnen zudem für Ihren Einsatz bei unserem Seminar „Plötzlich 18!“, bei welchem Sie besonders junge Eltern informieren und an Ihren Erfahrungen partizipieren lassen.
Neben Ihrem Engagement für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige, bringen Sie inklusive Projekte der Gedenk- und Erinnerungskultur auf den Weg bzw. begleiten diese aktiv mit.
So haben Sie die Wanderausstellung „Tiergartenstraße 4 – Gedenkort und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde“ nach Weimar geholt, um an die Menschen mit Behinderungen, die diesen schrecklichen Taten während der NS-Zeit zum Opfer gefallen sind, zu gedenken. Begleitend zur Ausstellung haben Sie sich, gemeinsam mit dem Projektteam, dafür eingesetzt, dass Menschen mit und ohne Behinderungen Gäste durch die Ausstellung führen. Ihnen war es zudem ein Anliegen, die Situation von Menschen mit Behinderungen in der DDR-Zeit aufzuzeigen. Im Rahmen des inklusiven Projektes „Leben in der DDR“ haben Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Erfahrungen und Erinnerungen zusammengetragen. Anschließend wurden diese in einem Heft und in einer Hör-Sendung für Interessierte zugänglich gemacht.
Weitere Projekte, die einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen, sind in Planung. Wir dürfen alle gespannt sein, welche Ideen Sie – gemeinsam mit engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern – entwickeln werden.
Ich möchte gern mit einem zweiten Zitat von Frank-Walther Steinmeier, enden. Frank-Walther Steinmeier sagte am Ende seiner Eröffnungsrede: „Ja, das sind (aktuell) schwierige, das sind herausfordernde Zeiten. Aber es sind keine Zeiten für Rückzug und Einigeln, keine Zeiten für Missgunst und Rechthaberei! Es ist Zeit für Zusammenhalt! Und vergessen wir nicht, was uns stark macht, was uns in Deutschland immer ausgemacht hat, worauf wir zusammen alle stolz sein können: das ist Menschlichkeit, das ist Gemeinsinn, das ist Anpacken, das ist Zuversicht.“
Wir alle tragen Verantwortung für unser Land, Sie, lieber Herr Borchert, nehmen diese Verantwortung in die Hand und packen an, wo Hilfe, Unterstützung, Begleitung gebraucht wird. Sie schauen hin, sprechen schwierige Situationen an, suchen und streiten für Lösungen und sind da, wo Sie gebraucht werden.
Dafür ein herzliches Dankeschön! Danke für Ihren Mut, für Ihre Zeit, für Ihre Geduld, Ihren Optimismus und Ihre Selbstlosigkeit. Herzlichen Glückwunsch zum Paritätischen Ehrenamtspreis.”

Paritätischer Ehrenamtpreis 2023 für Jürgen Borchert

Albrecht Kaiser hat einen tollen Artikel über Daniel Hohoff geschrieben, der in unserem LebensArt alte Flechtstühle repariert!

Für alle mit TA-Abo auch digital :TA_Von alten Stühlen und neue Meistern

Zeitungsbericht über Daniel Hohoff: Alte Stühle und neue Meister

Frisch aus der Druckerei ist heute unsere neue mittendrin angekommen – lest darin über all das, was unser Lebenshilfe-Werk Weimar/ Apolda so bunt macht!

Und wie immer selbstverständlich auch digital: mittendrin 2 2023 als PDF

Mittendrin 2/2023 ist da!

Die neueste Ausgabe unserer mittendrin mit allem, was Menschen im LHW bewegt, ist erschienen! Die Ausgabe 1/2023 und alle anderen Publikationen sind als PDF verfügbar Publikationen des LHW

Die mittendrin 1 2023 ist da!

LHW Workshop für Führungskräfte “Sozialraumorientierung implementieren” am 8./9. März 2023 im monami Weimar. 30 Menschen mit Teamverantwortung konnten zwei intensive Tage mit Harry Bernardis und Uli Gehring gestalten. Alle haben dabei viel lernen können, voneinander und miteinander! Herzlichen Dank den Organisator*innen, dem tollen Ort und dem Catering und vor allem den großartigen Trainern/Moderatoren/Zuhörern/Fürsprechern Harry Bernardis und Uli Gehring von der GK Quest Akademie!

Workshop für Führungskräfte “Sozialraum implementieren”

78. Baumpflanzaktion mit einer neuen Patenschaft: Die Bundespolizeiausbildungsstätte Rotenburg a. d. Fulda, konkret der Ausbildungsjahrgang ROF 21 II der Ausbildungsstätte, hat den 201. Baum in unserem lebendigen Erinnerungsprojekt gepflanzt. Die Pflanzaktion fand in der Andersenstraße in Weimar statt.
Bürgermeister Ralf Kirsten sprach, auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Berufserfahrung, von der Verantwortung von Polizisten für das demokratische Gemeinwesen. Thorsten Ickler, Leiter des Lehrbereiches EPHK, erläuterte, wie über das Rotenburger Autokennzeichen ROF für die Anwärter*innen die gelebten Werte Respekt, Offenheit und Faszination von zentraler Bedeutung sind. Stefan Bruhn, Vertreter der Anwärterinnen und Anwärter PMA, erzählte von der Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit im Rahmen der Ausbildung. Als zukünftige Bundespolizist*innen leiten sie ihre Arbeit in einer und für eine demokratische Gesellschaft auch aus der Erinnerungsarbeit ab – und so kam es zu dieser Baumpatenschaft. Doreen Hadlich rundete die Beiträge mit einigen einleitenden Worten und einem eindrucksvollen selbstverfassten Gedicht ab.
Herzlichen Dank allen Gästen aus Rotenburg a. d. Fulda, allen Beteiligten und Teilnehmenden!

Ein Beitrag des mdr

Baumpat*innen der Bundespolizeiausbildungsstätte Rotenburg a. d. Fulda

Vertreter*innen der Bundespolizeiausbildungsstätte Rotenburg a. d. Fulda stehen bene ihrem Baum

78. Baumpflanzaktion im inklusiven Projekt “1000 Buchen”

Unsere inklusive Theatergruppe Die Lichtlacherbande lädt ein:

Ein buntes Plakat mit Mäusen für das inklusive Theaterstück "Bunte Mäusegeschichten"

Theater! 1. Dezember um 14:30 im mon ami, Weimar

Wir feiern die Woche des Bürgerschaftlichen Engagements mit einem

Ehrenvollen Begegnungscafé und Kunst auf dem Weg

Was? Café, Informationen, Gespräche, Kunst, Pflanzen-Börse, Ausstellung, Spiele, Rätsel, Tests rund um das Thema Engagement und Ehrenamt

Wann? 12.-17-September 2022 (Mo-Fr 12-17 Uhr, Sa 10-14 Uhr)

Wo? LebensArt am Palais (Windischenstraße/Ecke am Palais) in Weimar

Kontakt: Karoline Mohnhaupt (Freiwilligenkoordinatorin)

Telefon: 03643/743 288

k.mohnhaupt(at)lhw-we-ap.de

 

In unserem barrierefreien Laden mitten in Weimar öffnet das Ehrenvolle Begegnungscafé für eine Woche. Es sollen alle Menschen, die sich engagieren, im Lebenshilfe-Werk und auch außerhalb, sowie alle Interessierten die Möglichkeit haben sich zu informieren, auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Es gibt Kaffee und Kuchen, Getränke und Snacks.

Die verschiedenen Bereiche des LHW stellen sich und die Möglichkeiten bei uns ein Ehrenamt auszuüben vor (in der Ausstellung und auch in Präsenz). Die Bürgerstiftung Weimar (Ehrenamts-Agentur) wird ebenso vertreten sein.

Wir haben lustige Spiele, Tests und Rätsel zum Thema vorbereitet.

Am Basteltisch könnt ihr Bilder, Collagen und Texte zum Thema Engagement anfertigen und hier ausstellen.

Eine Pflanzen-Tauschbörse ist eine weitere Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und symbolisiert Wachstum, Gedeihen und Pflege. Bringt eure Pflanzen/Ableger mit die ihr tauschen möchtet oder adoptiert eines unserer Pflanzen-Babys!

Mit “Kunst auf dem Weg” geben am Mittwoch und Freitag Künstler*innen aus unserem Kunstatelier Tröbsdorf Einblicke in ihre Arbeit.

Getreu unserem Motto “Wir leben´s bunt” freuen wir uns auf vielfältigen Besuch und interessante Gespräche!

12.-17. September: Das Ehrenvolle Begegnungscafé und Kunst auf dem Weg (Woche des Bürgerschaftlichen Engagements)

Saskia Schnepel, Anja Marhold und Raimund Schröter (v.l.) vor der integrativen Kindertageseinrichtung in Apolda.  Foto: Elena Rauch

Warum eine Entscheidung des Bundes Träger und Erzieherinnen von Kitas in Thüringen fassungslos macht.

„Es hat uns kalt erwischt“: Anja Marhold wirkt auch gut zwei Wochen nach der Mitteilung aus Berlin noch fassungslos. Sie ist stellvertretende Leiterin der integrativen Kindertageseinrichtung am Ernst-Thälmann-Ring in Apolda. Ihre Kita ist einer der rund 250 in Thüringen, die am Programm „Sprach-Kitas“ teilnehmen.

Weil mit Sprache alles beginnt. Die Wahrnehmung der Welt, Kommunikation, Selbstbewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2011 fördert der Bund zusätzliche Stellen und Mittel, mit denen Kitas auf die Sprachförderung einen scharfen Fokus legen können. „Sprach-Kitas“ , in denen der Handlungsbedarf besonders groß ist. Weil viele Kinder zu Hause nicht deutsch sprechen oder weil sie in sozial schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Wie in der Apoldaer Kita.

Doch jetzt stellt der Bund das Programm ein und übergibt es in die Verantwortung der Länder.

Denn nein, im Selbstlauf allein entwickeln sich Sprachfertigkeiten eben nicht. Jedes Kind ist anders und seine familiären Hintergründe auch. Man muss ermuntern, fördern, anregen, erklärt Saskia Schnepel. Sie ist Sozialpädagogin mit Zusatzqualifikation für Sprachförderung und eine der beiden Sprach-Fachkräfte an der Kita.

Es beginne schon damit, wenn eine Erzieherin einem Krippen-Kind frische Windeln anlegt. 100 mal schweigend windeln, sind 100 verpasste Gelegenheiten, mit dem Kind zu kommunizieren. Denn darum gehe es vor allem: Jeden der täglichen Abläufe in der Kita für Sprache zu nutzen. Vom gemeinsamen Mittagessen bis zum Blättern im Bilderbuch.

Wie ermuntert es man zum Erzählen, wie erweitert man den Wortschatz?

Natürlich weiß das auch jede Erzieherin. Aber im Kita-Alltag, wo die Personaldecke löchrig ist und die Zeit knapp, kann manches Detail, manche ungenutzte Gesprächs-Chance aus der Aufmerksamkeit fallen. Doch genau dieses Thema erhält dank der beiden Fachkräfte eine Tiefenschärfe. Sie sind in allen Gruppen unterwegs, ihre Stellen werden nur zum Teil auf den Betreuungsschlüssel angerechnet. Sie haben Zeit, die ihre Kolleginnen oft nicht haben.

Manchmal sitzen sie mit den Erzieherinnen zusammen, und werten in Videosequenzen Alltagsszenen aus. Wie stellt man die richtigen Fragen, um dem Kind Worte zu entlocken? Wie ermuntert es man zum Erzählen, wie erweitert man den Wortschatz? Warum ist Blickkontakt wichtig und das Nachfragen? Diese fachliche Expertise, sei für ihre Mitarbeiterinnen ein großer Gewinn, bemerkt Anja Marhold. „So oft könnte ich sie gar nicht zur Weiterbildungen schicken.“

Manchmal beobachten sie, wie Kinder über ein Bilderbuch wischen, weil sie zu Hause nur das Tablet kennen. Es gibt Kinder, die reagieren mit Schreien oder Aggression, weil sie sich nicht mitteilen können und sich unverstanden fühlen. Andere ziehen sich zurück. Die Arbeit mit den Eltern, sagt Saskia Schnepel, sei eine wichtige Seite unserer Arbeit. „Ihr Kind spricht ganz gut“: Solche Allgemeinplätze bringen nicht weiter. Sie merke sehr schnell, ob in einer Familie viel miteinander gesprochen wird, oder ob das Kind stundenlang vor dem Fernseher sitzt. Nach den Einschränkungen der Pandemie, ergänzt Anja Marhold, sei bei manchen Kindern die fehlende Sprachermunterung sehr spürbar gewesen. Und dann nehmen sie die Defizite als schweren Rucksack mit in die erste Klasse. Warum der Bund ein erfolgreiches Programm fallen lässt, kann sie nicht verstehen.

Auch Reimund Schröter vom Paritätischen Wohlfahrtsverband kann nur mit dem Kopf schütteln. Der Kita-Referent ist auch in der Fachberatung für das Programm unterwegs und kennt die Bedarfe. Ohne die zusätzliche Fachkraft wüsste sie nicht, wie sie klarkommen sollte, hatte ihr die Leiterin eine Jenaer Sprach-Kita gesagt. Von 100 Kindern haben dort 70 einen Migrationshintergrund. Eigentlich, konstatiert Schröter, müsste nach den Erfahrungen die Konsequenz heißen: Jede Kita braucht diese Extra-Hilfe. Zumal mit den ukrainischen Geflüchteten die Herausforderung wachsen. Ausgerechnet jetzt, ließe sich hinzufügen.

Doch um das Programm im jetzigen Umfang mit 284 Fachkräften und 21 Fachberatern fortzuführen, müsste Thüringen nach den Berechnungen des Paritätischen allein im nächsten Jahr sieben Millionen Euro stemmen. Bei der Haushaltslage sieht er dafür schwarz.

 

Quelle: https://www.thueringer-allgemeine.de/ausgerechnet-jetzt-id235988315.html?service=amp

Artikel aus der TLZ vom 26.07.2022

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