wir lebens Bunt

Gedenken an jüngste Opfer des Bombardements vom 9. Februar 1945

Traditionell erinnert das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda mit Vertreter*innen der Stadt, der SPD Weimar und Weimarer Bürgerinnen und Bürgern jedes Jahr an der Gedenktafel am Kindergarten Hufeland an die Opfer der Bombenangriffe vom 9. Februar 1945. Bedingt durch die Pandemie und nun auch den massiven Schneefall kann am Jahrestag die Veranstaltung leider auch nicht in kleinem Rahmen stattfinden. Justus Lencer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda, und der Vorstandsvorsitzenden Rola Zimmer ist es jedoch ein großes Anliegen, dass auch ohne Feierlichkeiten am heutigen Tag der Opfer der alliierten Luftangriffe gedacht wird. Die Veranstaltung selbst wird zeitnah mit der Einweihung einer neuen Gedenktafel und der Niederlegung eines Blumenbuketts nachgeholt.

„Auch wenn die Bombardierung Weimars nicht durch die Nazis selbst erfolgte, so tragen sie doch die Verantwortung dafür. Damit ist der Krieg, der von Deutschland ausgegangen ist, auf schreckliche Weise hierher zurückgekehrt. Unsere Aufgabe ist es nun, niemals zu vergessen, wie es so weit gekommen ist. Dass der bloße Gedanke, ein Leben könne weniger wert sein als ein anderes, die ganze Welt in Krieg und Verderben stürzen kann und viele unschuldige Opfer fordert“, erklärt Lencer.

Rola Zimmer fügt hinzu: „Das Gedenken an die Opfer des NS-Terrors und die Positionierung gegen jede Art von rechter Hetze, Gewalt und Diskriminierung sind zu einem festen Bestandteil unseres Selbstverständnisses geworden. Dabei denken wir nicht nur an Menschen mit Behinderung, die in furchtbarster Weise von den Auswirkungen der NS-Rassenideologie betroffen waren, sondern auch an alle, die aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder anderen Gründen Opfer von Verfolgung, Diskriminierung und Ausgrenzung wurden und werden.“

Der 9. Februar 1945 ging als „Schwarzer Freitag“ in die Weimarer Geschichte ein. Er wurde zur größten Katastrophe, welche die Stadt bis dahin heimgesucht hatte. Gegen Mittag warfen Bomber der US Airforce 418 Tonnen hochexplosive Sprengbomben auf die Innenstadt, das Gustloff-Werk I und das Reichsbahngelände. Die Innenstadt mit ihren zahlreichen Kulturbauten wurde vollends zerstört, Wohnhäuser schwerstens beschädigt, Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen. 2000 Menschen verloren ihr Heim, 461 Einwohner, mit ausländischen Arbeitern, Kriegsgefangenen und Häftlingen über 1100 Menschen, ihr Leben. Darunter auch Kinder: Im Kindergarten der Nationalsozialistische Volkswohlfahrt in der Richard-Strauß-Straße starben durch einen Volltreffer 31 Kinder, insgesamt in Weimar etwa 85. An der Stelle des damaligen Kindergartens steht heute der Kindergarten Hufeland des Lebenshilfe-Werks.