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Info-Brief des Lebenshilfe Landesverbandes für Angehörige

In seinem Info-Brief #21 stellt der Lebenshilfe Landesverband Thüringen aktuelle Entwicklungen, die Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige betreffen, kurz und verständlich zusammen.

Info-Brief des Lebenshilfe Landesverbandes für Angehörige

Die Stiftung Lebenshilfe Weimar/Apolda erhielt im Rahmen der Aktion „Mehrwert statt Mini-Rabatte“ der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft eG Weimar (EVG) eine Spende in Höhe von 3418 EUR.
Durch die Gelder können nun Projekte von und für Menschen mit Behinderungen unterstützt werden.
„Vielen Dank an die EVG, dass sie unsere Stiftung für die Teilnahme an ihrer Spendenaktion ausgewählt hat. Und ein herzliches Dankeschön natürlich auch an alle, die im Dezember für uns abgestimmt und so dazu beigetragen haben, dass die Mittel Menschen mit Behinderungen in Weimar und dem Weimarer Land zugutekommen können. Wir freuen uns sehr!“, sagt Rola Zimmer, Vorsitzende des Stiftungsvorstands.

Von Juli bis Dezember 2020 galten ermäßigte Mehrwertsteuer-Sätze. Die EVG beschloss, ihre Preise nicht anzupassen, sondern die entstehenden Mehreinnahmen in voller Höhe an verschiedene Initiativen und Organisationen zu spenden. Monatlich konnte online abgestimmt werden, wer welchen Anteil an den Spenden erhalten soll. Insgesamt sind bei der Aktion 29.600 EUR zusammengekommen.

Die Stiftung Lebenshilfe Weimar/Apolda setzt sich für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und somit die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gemeinschaft ein. Sie fördert und unterstützt vor allem Projekte und Personen im Lebenshilfe-Werk und in der Region und zwar immer dann, wenn die staatlichen Hilfen nicht greifen und andere Finanzierungsquellen ausgeschöpft sind. Das können zum Beispiel besondere Spielgeräte in der Frühförderung, ein inklusives Freizeitprojekt oder Bildungsangebote für einzelne Menschen sein – Dinge, die ohne die Unterstützung der Stiftung nicht realisiert werden können.

Das Lebenshilfe-Werk hat sich 2008 zur Gründung der Stiftung Lebenshilfe Weimar/Apolda entschlossen, um aktiv die Zukunft zu gestalten – in der Überzeugung, dass bürgerschaftliches Engagement zukünftig immer wichtiger wird, um die Vision einer inklusiven Gesellschaft umzusetzen.

Mehrwert statt Mini-Rabatte – EVG unterstützt Stiftung Lebenshilfe Weimar/Apolda

Traditionell erinnert das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda mit Vertreter*innen der Stadt, der SPD Weimar und Weimarer Bürgerinnen und Bürgern jedes Jahr an der Gedenktafel am Kindergarten Hufeland an die Opfer der Bombenangriffe vom 9. Februar 1945. Bedingt durch die Pandemie und nun auch den massiven Schneefall kann am Jahrestag die Veranstaltung leider auch nicht in kleinem Rahmen stattfinden. Justus Lencer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda, und der Vorstandsvorsitzenden Rola Zimmer ist es jedoch ein großes Anliegen, dass auch ohne Feierlichkeiten am heutigen Tag der Opfer der alliierten Luftangriffe gedacht wird. Die Veranstaltung selbst wird zeitnah mit der Einweihung einer neuen Gedenktafel und der Niederlegung eines Blumenbuketts nachgeholt.

„Auch wenn die Bombardierung Weimars nicht durch die Nazis selbst erfolgte, so tragen sie doch die Verantwortung dafür. Damit ist der Krieg, der von Deutschland ausgegangen ist, auf schreckliche Weise hierher zurückgekehrt. Unsere Aufgabe ist es nun, niemals zu vergessen, wie es so weit gekommen ist. Dass der bloße Gedanke, ein Leben könne weniger wert sein als ein anderes, die ganze Welt in Krieg und Verderben stürzen kann und viele unschuldige Opfer fordert“, erklärt Lencer.

Rola Zimmer fügt hinzu: „Das Gedenken an die Opfer des NS-Terrors und die Positionierung gegen jede Art von rechter Hetze, Gewalt und Diskriminierung sind zu einem festen Bestandteil unseres Selbstverständnisses geworden. Dabei denken wir nicht nur an Menschen mit Behinderung, die in furchtbarster Weise von den Auswirkungen der NS-Rassenideologie betroffen waren, sondern auch an alle, die aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder anderen Gründen Opfer von Verfolgung, Diskriminierung und Ausgrenzung wurden und werden.“

Der 9. Februar 1945 ging als „Schwarzer Freitag“ in die Weimarer Geschichte ein. Er wurde zur größten Katastrophe, welche die Stadt bis dahin heimgesucht hatte. Gegen Mittag warfen Bomber der US Airforce 418 Tonnen hochexplosive Sprengbomben auf die Innenstadt, das Gustloff-Werk I und das Reichsbahngelände. Die Innenstadt mit ihren zahlreichen Kulturbauten wurde vollends zerstört, Wohnhäuser schwerstens beschädigt, Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen. 2000 Menschen verloren ihr Heim, 461 Einwohner, mit ausländischen Arbeitern, Kriegsgefangenen und Häftlingen über 1100 Menschen, ihr Leben. Darunter auch Kinder: Im Kindergarten der Nationalsozialistische Volkswohlfahrt in der Richard-Strauß-Straße starben durch einen Volltreffer 31 Kinder, insgesamt in Weimar etwa 85. An der Stelle des damaligen Kindergartens steht heute der Kindergarten Hufeland des Lebenshilfe-Werks.

Gedenken an jüngste Opfer des Bombardements vom 9. Februar 1945

Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderunge gehören zur Risikogruppe, so dass im Falle einer Corona-Infektion die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs besonders hoch ist. Viele von ihnen verzichten deshalb seit Monaten auf Teilhabe: Sie gehen nicht zur Arbeit, haben keine feste Tagesstruktur und meiden soziale Kontakte. Die Lebenshilfe Thüringen fordert, Spielräume zu nutzen und Menschen mit Behinderungen in Härtefällen früher als geplant zu impfen.

Lesen Sie mehr in einem Artikel der Thüringer Allgemeine vom 1. Februar 2021.

Schnellere Impfungen für Schwerstbehinderte gefordert

Am heutigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus konnte das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda zerstörte und entwendete Gedenktafeln des Projektes „1000 Buchen“ ersetzen. Finanziert wurden die Tafeln vom Lokalen Aktionsplan Weimar, der Demokratieprojekte unterstützt. Seit 1999 erinnert das inklusive Gedenkprojekt „1000 Buchen“ an die Opfer der Todesmärsche aus Buchenwald.

2016 wurde in der Weimarer Andersenstraße ein Baum gepflanzt, im Gedenken an Lise London (1916 – 2012). Lise London war französisches Mitglied der Internationalen Brigaden und kommunistische Widerstandskämpferin und überlebte mehrere deutsche Konzentrationslager. 2019 wurde der Baum, wie zahlreiche andere, mutwillig beschädigt und die Gedenktafel entwendet.

Die Beschädigungen oder Zerstörungen von Gedenkbäumen und -tafeln in 2019 und 2020 hatten tiefe Betroffenheit, Solidarität und eine Welle der Hilfsbereitschaft weit über Weimars Stadtgrenzen hinaus ausgelöst, die bis heute anhält. Die jüngste Unterstützung kommt vom Lokalen Aktionsplan Weimar (LAP), der die Fördergelder für die Ersatzanschaffung von acht Gedenktafeln bereitgestellt hat. „Wir waren bestürzt, als wir vom Vandalismus an den Bäumen und Schildern erfahren haben. Mit unserer Unterstützung möchten wir auch ein Zeichen für Vielfalt und gegen Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit setzen“, so Anika Thiele, Koordinatorin des LAP Weimar.

Dank der Förderung wurden heute fünf zerstörte Gedenktafeln in Erinnerung an ehemalige Häftlinge und Häftlingsgruppen in der Ettersburger Straße und in der Andersenstraße ersetzt. Die französische Botschafterin in Deutschland, Anne-Marie Décôtes, zeigte sich bewegt: „Ich bin dem Lebenshilfe-Werk dankbar, dass es sich der Pflege des Gedenkens widmet und mutwillig zerstörte Bäume und Tafeln ersetzt. Ich freue mich, dass zum diesjährigen Holocaust-Gedenktag die Tafel erneuert wurde, die der französischen Résistance-Kämpferin Lise London (1916-2012) gewidmet ist.“

Rola Zimmer, Vorstandsvorsitzende des Lebenshilfe-Werks, ist dankbar für die Solidarität und breite Unterstützung, die dem inklusiven Projekt seither entgegengebracht wird. „Unser Gedenkprojekt bewahrt die Erinnerung an die Opfer der Todesmärsche aus dem KZ Buchenwald, es steht aber auch für das Gedenken an alle Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Es freut mich, auch in Zeiten der Corona-Pandemie weitere Anwärter*innen für Baumpatenschaften und Unterstützung an unserer Seite zu wissen, die uns helfen den lebendigen Erinnerungsweg zu bewahren und weiter anwachsen zu lassen.“

Zur Erinnerung an die Todesmärsche aus Buchenwald sowie die Opfer des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten zur Beseitigung „unwerten Lebens“ rief das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda im Weimarer Kulturstadtjahr 1999 das inklusive Gedenkprojekt „1000 Buchen“ ins Leben. Entlang der ehemaligen Marschroute der Häftlinge entsteht Stück für Stück ein lebendiger Erinnerungsweg, versinnbildlicht durch Bäume, die Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam pflanzen und durch Baumpatenschaften unterstützt werden.

Der Lokale Aktionsplan wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit« und vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen des Thüringer Landesprogramms »denkbunt – für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit«.

Beiliegend 2 Bilder:
1. Bild: Von links nach rechts: Rola Zimmer, Vorstandsvorsitzende des Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda, und Anika Thiele, Koordinatorin Lokaler Aktionsplan Weimar, am ersetzten Gedenkschild und Baum von Lise London (1916 – 2012)
2. Bild: Ersetztes Gedenkschild für den 2016 gepflanzten Gedenkbaum in Erinnerung an Lise London (1916 – 2012). Das Schild ist bei einem Angriff auf die Gedenkbäume 2019 entwendet worden

Holocaust-Gedenktag – zerstörte Gedenktafeln im Projekt „1000 Buchen“ ersetzt

Traditionell führt in der Werkstatt Tröbsdorf die Zirkus- und Theatergruppe zur Weihnachtsfeier eine kleine Vorstellung auf. Das musste in diesem Jahr leider ausfallen. Trotzdem hat sich die Gruppe um Theaterpädagogin Silvie Roth etwas Tolles überlegt. Sehen Sie selbst …

Theater neu gedacht

Das Büro für Selbstvertretung in der Lebenshilfe Berlin
hat einen Erklär-Film über Selbstvertretung gemacht.
Der Film zeigt, was Selbstvertretung ist.
Und er möchte Mut machen.
Sascha Ubrig ist Selbstvertreter.
Er sagt: Dran bleiben! Weitermachen!

Erklär-Film zum Thema Selbst-Vertretung

Eine Vorweihnachtszeit ohne gemeinsamen Adventsnachmittag mit den Kindern und ihren Familien? Für die Pädagoginnen und Therapeutinnen der Interdisziplinären Frühförderstelle Weimar unvorstellbar. Und doch muss durch Corona das gemütliche Beisammensein in diesem Jahr ausfallen. Deshalb verzauberten die Mitarbeiterinnen der Frühförderung die Räume in der Belvederer Allee 17 kurzerhand in Back- und Bastelstuben. Viele fleißige Hände siebten Mehl, kneteten Teig und es entstanden in Heimarbeit Sterne, Häuser, Lebkuchenmänner und Herzen aus leckerem Plätzchenteig. Nun werden in allen Räumen der Frühförderung Basteleien vorbereitet, Schablonen erstellt, Rezepte für die Weihnachtsbäckerei und Liedtexte für Weihnachtslieder aufgeschrieben. Im langen Flur werden all diese bunten Überraschungen dann liebevoll verpackt und anschließend zu den Kindern auf die Reise geschickt.
„Da wir in diesem Jahr unsere beliebten Adventsnachmittage mit den Kindern und Familien nicht in unserer Frühförderstelle durchführen können, kommen die entstandenen Vorweihnachtsüberraschungen nun zu jedem Kind nach Hause.“, berichtet die Leiterin der Frühförderstelle, Birgit Hochbach, „Damit danken wir allen Familien für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen in uns und wünschen eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit.“

Frühförderstelle Weimar

Frühförderstelle bringt Weihnachtsfreude nach Hause

Im Rahmen unseres Erinnerungsprojekts „1000 Buchen“ pflanzte Familie Geiken in der Weimarer Asbachstraße am 1. Dezember einen Baum zum Gedenken an die zahlreichen Opfer der nationalsozialistischen Euthanasiemorde. Claudia Geiken, stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe Ortsvereinigung Weimar und Mitglied im Aufsichtsrat des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda, engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Belange von Menschen mit geistigen Behinderungen. Sie hielt eine bewegende Rede an den Baum.

Mit einem Runderlass vom 18. August 1939 begann zur Zeit des Nationalsozialismus der systematische Massenmord an tausenden Kindern, wenig später unter der „Aktion T4“ auch an Erwachsenen. Insgesamt wurden unter dem NS-Regime hunderttausende Menschen mit Krankheiten und Behinderungen ermordet.

Familie Geiken

Ein Ahorn zum Gedenken an Euthanasie-Opfer

Kinder lieben die Vorweihnachtszeit. Doch in Zeiten von Corona ist alles etwas anders als sonst. Auch in der Interdisziplinären Frühförderstelle Weimarer Land: Der traditionelle Adventsnachmittag kann leider nicht stattfinden. Um dennoch die Vorfreude auf Weihnachten zu wecken und den Kindern ein paar schöne vorweihnachtliche Momente zu schenken, haben die Mitarbeiterinnen der Frühförderstelle eine kleine Wichtelwerkstatt eingerichtet, die für die Kinder allerlei Heimlichkeiten, Süßes und Überraschendes bereithält. Im Rahmen der Einzelfrühförderung bzw. Einzeltherapie bei Komplexleistung werden Rentiere gebastelt, Plätzchen gebacken, Salzteigfiguren gestaltet und vieles mehr – hier ist für jede kreative Idee der Kinder Platz. Das Hygienekonzept wird dabei selbstverständlich eingehalten.

Die Frühförderinnen waren im steten Einsatz. Die Arbeit mit Kindern von unter einem Jahr bis zum Schuleintritt mit einem heilpädagogischen therapeutischen Förderbedarf funktioniert nicht wirklich per Telefon oder Videokonferenz. „Direkte Fördermöglichkeiten zu entwickeln, die den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts entsprechen, schien nicht ganz einfach. Aber wenn man lernt, umzudenken, kann vieles gelingen“, so Mareike Köhler, Leiterin der Frühförderstelle, „Wir bedanken uns ganz herzlich auch bei allen Eltern, die ihren Kindern den Besuch der Frühförderstelle
ermöglichen. In diesen Zeiten sind das Bringen und Abholen nicht immer leicht, neben dem stressigen Alltag. Wir wünschen allen eine schöne Vorweihnachtszeit.“

Weihnachtsstimmung im Team der Frühförderstelle