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Wieder Anschlag auf Weimarer Gedenkprojekt „1000 Buchen“

Tat am Jahrestag des Hitlerattentats entdeckt

Erneut sind Bäume des lebendigen Gedenkprojekts „1000 Buchen“ zerstört worden. Unbekannte haben sieben von zwölf Bäumen in der Nähe der Gedenkstätte Buchenwald abgesägt oder abgebrochen. Entdeckt wurde die Tat am Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler 1944. Die Stadt Weimar, die Gedenkstätte Buchenwald und das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda sind entsetzt. Die Gedenkbäume werden seit 1999 entlang der Todesmarschrouten aus Buchenwald gepflanzt. Schon 2019 und 2020 hatte es Anschläge gegeben.

Der stellvertretene Direktor der Gedenkstätte Buchenwald, Philipp Neumann-Thein, hat den Anschlag am Mittwochmorgen bemerkt: „Noch am Montag war alles in Ordnung. Und dann diese massiven Zerstörungen. Ich habe direkt Anzeige bei der Polizei erstattet.“

Die 12 Bäume waren in einem feierlichen Akt im Jahr 2015 gepflanzt worden. Jeder Baum erhielt eine Tafel in Gedenken an unterschiedliche Opfergruppen oder auch an einzelne Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald. Auch Angehörige waren vor Ort.

Das Projekt „1000 Buchen“ wurde vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda im Jahr 1999 ins Leben gerufen. Dessen Vorstandsvorsitzende Rola Zimmer ist entsetzt: „Das hier erneut das Andenken an Opfer der NS-Barbarei und des Holocausts geschändet wird, ist unerträglich. Wir hoffen, dass die Polizei diesmal erfolgreich sein wird.“

Auch Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine hofft auf Ermittlungserfolge: „Das ist kein Streich, das ist ein Verbrechen. Wir dürfen und werden bei diesen Taten nicht wegschauen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Stadt die geschändeten Bäume ersetzt.“

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Zur Erinnerung an die Todesmärsche aus Buchenwald sowie die Opfer des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten zur Beseitigung „unwerten Lebens“ rief der Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e.V. im Weimarer Kulturstadtjahr 1999 das inklusive Gedenkprojekt „1000 Buchen“ ins Leben. Entlang der ehemaligen Marschroute der Häftlinge entsteht Stück für Stück ein lebendiger Erinnerungsweg, versinnbildlicht durch Bäume, die Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam pflanzen und durch Baumpatenschaften finanzieren.

Kontakte:

Pressestelle der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, Lebenshilfe-Werk Weimar/ Apolda und Stadt Weimar

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Wir begrüßen diese Initiative der Stadt sehr. Denn die Häufung der Schändungen hat gezeigt, dass hier gezielt vorgegangen wird. Das ist nicht hinnehmbar. Egal ob beschmierte Stolpersteine, geschändete Denkmale oder zerstörte Bäume. Jeder dieser Anschläge ist ein Anschlag auf unsere offene Gesellschaft und ihre Werte.

❗ Abgesägte Gedenkbäume: Stadt Weimar setzt 10.000 Euro Belohnung zur Ergreifung der Täter/innen aus❗

Nach der gestern bekannt gewordenen Schändung von sieben Gedenkbäumen zur Erinnerung an NS-Opfer auf dem Ettersberg hat die Stadt Weimar

➡️ eine Belohnung von 10.000 Euro zur Ergreifung der Täter/innen ausgesetzt.

➡️ Sachdienliche Hinweise sind an die Polizeiinspektion Weimar zu richten.

„Dieser barbarische und feige Zerstörungsakt darf nicht ohne Konsequenzen für diejenigen bleiben, die ihn verübt haben. Die Stadt Weimar wird zusätzlich zum ausgesetzten Belohnungsgeld auch bei der Beschaffung und Pflanzung von Ersatzbäumen unterstützen“, versicherte Oberbürgermeister Peter Kleine.

Die Bäume waren 2015 im Rahmen des Projektes „1.000 Buchen“ in der Nähe des Obelisken gepflanzt worden. Jeder Baum erhielt eine Tafel im Gedenken an unterschiedliche Opfergruppen – unter anderem Kinder – oder auch an einzelne Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald. Auch Angehörige waren damals vor Ort. Die Gedenkbäume werden seit 1999 entlang der Todesmarschroute aus Buchenwald gepflanzt. Schon 2019 und 2020 hatte es Anschläge gegeben.